Halbzeit

von Tim

Ein Zwischenfazit voller Pauschalisierungen und Engstirnigkeit.

Ich kam nach Südafrika in das festgefahrene Biotop eines weissen Vorortes. Will heissen: Kontakt zu schwarzen auf der selben Ebene habe ich nur im Büro. Meine Eindrücke sind vor diesem Hintergrund zu betrachten.
Die Sendung mit der Maus brachte im Oktober ein Südafrika Spezial in dem das Land ziemlich treffend beschrieben wird und das meine Erfahrungen bestaetigt.
Südafrika ist immernoch geteilt. Die alten Grenzen existieren zumindest noch in den Köpfen der meisten. Die Realität: Die Grenze verschob sich von Schwarz und Weiss zu Reich und Arm. Der Punkt ist nur: Es gibt viele reiche Weisse und nochmehr arme Schwarze. Der direkte räumliche und persönliche Kontakt dieser Welten ist wohl das Hauptcharaktermerkmal Südafrikas.

Eines haben alle Südafrikaner gemeinsam: Sie sind wahnsinnig freundlich und interessiert. Was für Neuankömmlinge aufgesetzt wirkt ist bei genauerem Hinsehen tief verwurzelt. Es fängt bei Geschäftstelefonaten an: Man meldet sich generell nur mit dem Vornamen (sehr angenehm) und die erste Frage zielt immer auf das Befinden des Gegenüber. Wird man auf Märkten von Einheimischen angesprochen kann man sich einer netten Unterhaltung sicher sein. Das Thema ist dabei eher zweitrangig. Bei Andre, der mir meine Brille fertigte verbrachte ich insgesamt eine Stunde in der er mir nur seine Arbeit erklärte und mich über Deutschland ausgefragt hat.

Was bei diesen Gesprächen leider auch auffällt: der tief verwurzelte Rasissmus vieler Weisser. Im Gespräch mit einem Sitzsackverkäufer kamen wir auf Einwanderer in Deutschland. Dabei sah er Türken, Italiener und Spanier als generell schlechter an. ‚Multikulti‘ benutzte er nur als negativ konotierten Begriff.

‚All spains either want to be and to live like Cristiano Ronaldo [Portugiese Anm. d. Red.] or not work at all!‘

Interessant hierbei ist auch, dass er uns nicht als Ausländer sah. Ob er diese Ansicht ändert, wenn er mit Spaniern redet?

Kommt man neu ins Land ist das Verhalten zunächst geprägt von negativer Berichterstattung und allgemeinen Gerüchten (‚alles Verbrecher!‘). Dementsprechend kam mir auch mein erster Spaziergang in Kapstadt wie ein Spießrutenlauf vor. Schließlich könnte man jederzeit überfallen werden. Diese Bedrohung existiert tatsächlich, ist aber Mittags in Kapstadt so wahrscheinlich wie in Frankfurt. Nach kurzer Zeit sieht man der Kriminalität entspannter entgegen. Diese Entspannung wird dann jedoch von Horrorgeschichten der Bekannten gedämpft: Jeder wurde mindestens einmal ausgeraubt und die Einbruchsrate im Viertel steigt auch wieder mal an. Die Menschen die jedoch im Endeffekt unter der Kriminalität leiden sind die Schwarzen.

When you’re black, you’re born as a suspect.

Generell sollte man also nicht zu fahrlässig sein (und wie wir nachts um Vier durch die Cape Flats fahren) aber aber übertriebene Angst ist auch nicht angebracht.

Hinweis: Das ist nur eine schnell und lieblos kuratierte Auswahl an Bildern. Eine bessere Vorsortierung ist bei der Mitbewohnerin zu finden.

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