wortscheune.

"Sex, Musik und Prügeleien"

Kategorie: Auf Achse

Reisebericht

Stockholm

In den letzten zwei Wochen durfte ich vier mal Fliegen – die Reisen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Der erste Flug ging nach Manchester. Meine erste Dienstreise. Mein Kollege drückte es folgendermaßen aus: „As soon as you leave your flat tomorrow morning, the company pays everything.“ Also erstmal mit dem Taxi zum Flughafen. In der Tasche jede Menge fancy Technik um die Security zu verwirren.
Mit dem Mietwagen ging es dann nach Liverpool. Dort warteten drei 10-Stunden Tage auf mich. Arbeiten in den Docks. Mit Menschen deren Englisch nicht zu verstehen ist. Abends kamen wir ins Hotel – Business Class Zimmer. Aus Prinzip musste ich jeden Abend badete ich jeden Abend. Ich tue dies nicht gerne, brauchte aber einen Grund den Bademantel zu tragen. Nur von der Minibar hielt ich mich fern.
Den krönenden Abschied des Geldrauswerfens lieferten wir am letzten Abend: Brasilianisches Steakhouse mit Wein und Longdrinks. Zwei Personen fur 110 Pfund. Weil wir können und dürfen.

Auf der zweiten Reise habe ich liebe Menschen in Stockholm besucht. Diese begann mit einer Enttäuschung: Da das Hotel in Liverpool eine Garantie auf meine Kreditkarte legte, konnte ich kein Alkohol am Flughafen kaufen und in Stockholm nichts abheben. Also ging es trocken nach Schweden. Schlechte Entscheidung. Es folge ein Wochenende mit viel Sonnenschein, noch mehr Kaffee zwei Burgern – es hätte kaum besser sein können.

Was beide Reisen gemeinsam hatten: Es fühlte sich nach zu Hause an als ich in Brüssel landete. Seltsam das dieses Gefühl erst ein Monate vor Ende eintrat.

Einige Bilder gibt’s auf meinem Instagram-Account

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Reisedatenvolumen

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Da ich meinen Vertrag aus persönlicher Dummheit nicht gekündigt habe, muss ich nun im Juni an zwei Wochenenden in Deutschland mein komplettes Datenvolumen auf brauchen. Erster Schritt: 105MB in 4.5 Stunden Zugfahrt. Davon leben andere einen Monat lang.

Verkehrsmittel

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Ich mag die Bahn. Sie erscheint meist zu teuer aber ist dann doch relativ zuverlässig. Nun wurde mir das Portemonnaie geklaut und mit darin meine Bahncard. Somit fiel die Bahn bei der Wahl zur nächsten Reise aus.
Eine direkte Busverbindung mit acht Stunden Fahrzeit war zwei Tage vorher ausgebucht. Die letzte Möglichkeit war also eine Mitfahrgelegenheit. Mit diesen habe ich bisher nur wenig Erfahrung. Einmal wurde ich 20 Minuten vor Abfahrt versetzt und danach habe ich es nicht mehr versucht. Ereignisse im letzten Herbst haben meine Begeisterung auch nicht gesteigert. Dazu kommt, dass ich knapp zwei Meter groß bin und dem Zusammentreffen mit fremden Menschen auf engem Raum gerne aus dem Weg gehe. Ich habe mir eine leichte Soziophobie diagnostiziert.
Ich buche also eine Fahrt von Brüssel nach Karlsruhe für 30€ mit Goncalo.
Fünf Stunden später bekomme ich nach mündlicher Zusage eine Absage:

„die fahrt findet nicht stadt.“

Klasse. Wieder ne Absage. Auf Nachfrage fährt er jedoch trotzdem:

„Ich fahre morgen ganz normal 16uhr los,wegen gebühr hab ich die anzeige gelöscht ok.bis morgen liebe grüße“

Ich bin also zwanzig Minuten vor Abfahrt am Treffpunkt und frage, wie wir uns erkennen.

„Bin in 10min da habe silbaner auto Mazda.hab grüne Cappy“

Ich stehe also noch da und frage mich, was denn die durchschnittliche Zusammensetzung eine Mitfahrgelegenheit ist – Proleten am Steuer und Studenten auf der Rückbank?
Wir fahren also zu fünft in einem winzigen Mazda los. Zwischen den Beinen und auf dem Schoß Rucksäcke da an das Gepäck nicht gedacht wurde. Mein Sitznachbar stinkt und sitzt mir fast auf dem Schoß. Nach zehn Minuten fällt mir noch ein, dass ich normalerweise kein guter Mitfahrer bin. Aber das ungute Gefühl bleibt aus – zumindest bis Goncalo an einem Stau mit 130km/h auf dem Standstreifen vorbei fährt.

Am Ende bin ich noch heil angekommen. Ein Highlight war noch die Unterhaltung in der Fahrpause.

G. in ludwigsburger Dialekt

„Was hascht du da jetzt für ne Arbeit gefunden?“

Ich:

„Wir machen Offshore-Windmessungen“

Noch während ich es sagte, fiel mir auf, dass das nicht reicht. Also weiter:

„Wir nehmen eine Boje und lassen sie auf hoher See schwimmen. Darauf packen wir einen Laser, der dann weiß wie schnell der Wind 200m darüber ist.“

Goncalo darauf:

„Ey krass man, so ein Laser gibsch in Ludwigsburg inner Disko auch. Die gehen voll hoch die Dinger, ne?“

Ich hörte meine Filterblase platzen.